Bundesrat beschließt umstrittene Termingarantie

30.07.2015 14:00  Von: Martin Meyer

Erst kürzlich ließ der Bundesrat das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz passieren und damit die Vier-Wochen-Garantie für Facharzttermine. Gesetzlich Versicherte, die auf eigene Initiative keinen oder voraussichtlich erst sehr spät einen Facharzttermin erhielten, sollen sich zukünftig an zentrale Terminservicestellen der Krankenkassen wenden. Diese Servicestellen vermitteln dann den Facharzttermin, der im Regelfall eine Wartezeit von vier Wochen nicht überschreiten soll. Gelingt es auch den Terminservicestellen nicht, einen Facharzttermin in angemessener Zeit zu vereinbaren, so erhält der Patient einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus. Soweit der Koalitionsvertrag von Union und SPD. Doch ist diese Vereinbarung wirklich sinnvoll?


Wartezeitenproblem ein Mythos


Mehrere Studien (z. B. „Arztsuche und Arztauswahl 2015“ der ikk classic oder die "International Health Policy Survey 2014") belegen, dass die oft thematisierte Wartezeitenproblematik bei Facharztterminen nicht so dramatisch ist, wie allenthalben angenommen. Wenn überhaupt, dann ist das Wartezeiten eher ein regionales, denn ein nationales Problem. Bereits eine Studie der Universität Hamburg (in Zusammenarbeit mit dem Bertelsmann Gesundheitsmonitor) aus dem Jahre 2012 zeigte, dass sich die Wartezeit von Privatpatienten und gesetzlich Versicherten bei Hausarztterminen nur um einen Tag unterscheidet, bei Facharztterminen ergab sich ein Unterschied von neun Tagen. Im Durchschnitt warten Kassenpatienten, so die Studie, 16 Tage auf einen Termin beim Facharzt. Das ist bei den oftmals knappen Ressourcen eines Facharztes ein gutes Ergebnis.


Dieses Ergebnis ist sicherlich zu einem großen Teil den Fachärzten selbst zu verdanken, denn viele haben in den letzten Jahren ein besseres Praxis- und Terminmanagement eingeführt oder arbeiten in speziellen Ärzte-Netzwerken zusammen. Das Termin-Management und die Prüfung der medizinischen Indikation sollte also unbedingt in den Händen der Ärzte bleiben und nicht an externe Servicestellen vergeben werden, welche die Dringlichkeit eines Arzttermins nur schwer einschätzen können. Ein Patient, der tatsächlich ein schwerwiegendes Problem hat, bekommt in der Regel über seinen Hausarzt schnell einen Termin. Die Vier-Wochen-Regel ergibt dann überhaupt keinen Sinn und kann in einigen Fällen auch viel zu spät angesetzt sein.


Besonders problematisch ist es, dass Patienten, die innerhalb der vorgegebenen Frist keinen Facharzttermin erhalten, in Krankenhäuser überwiesen werden. Daraus ergeben sich gleich zwei Probleme. Zum einen sind die Kliniken hierzulande ohnehin schon völlig überlastet und auf die zusätzliche Arbeit in keiner Weise eingerichtet. Andererseits soll der Besuch der Patienten im Krankenhaus aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte bezahlt werden. Diese Tatsache ist wie ein Schlag ins Gesicht für jeden Facharzt, denn deren Leistungen bleiben weiterhin budgetiert, wohingegen die Krankenhäuser die Behandlungen ohne Budget erbringen dürfen. Von einem fairen Wettbewerb fehlt hier jede Spur. Hinzu kommt, dass Fachärzte im Schnitt mehr Patienten behandeln als Allgemeinmediziner, dafür jedoch pro Patient weniger Geld erhalten (siehe KBV-Honorarbericht http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/866376/kbv-honorarbericht-hausaerzte-stechen-erneut-fachaerzte.html) Die Fachärzte sind dadurch in diesem Prozess die Verlierer auf ganzer Linie. Für ihren vollen Wartezimmer werden die Fachärzte durch die neue Vier-Wochen-Regelung nun auch noch bestraft.


Vier-Wochen-Frist schafft Bürokratie und Probleme


Zusammenfassend betrachtet schafft die neue Termingarantie also eher neue Probleme, als alte zu beheben. Die neuen Servicestellen müssen nun schleunigst eingerichtet und die Mitarbeiter geschult werden. Doch wer überprüft in jedem Fall, wie lang die Wartezeiten bei einem Facharzt tatsächlich sind. Wer bestimmt, wie viele Fachärzte angefragt werden müssen und welche Wege für Patienten zumutbar sind. Viele Fragen sind noch ungeklärt, aber viel Bürokratie ist vorprogrammiert. Besser wäre es, die Fachärzte für ihre Leistungen endlich angemessen zu bezahlen und ihnen in Kooperation mit den Hausärzten die Verantwortung über die Terminregelung zu belassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass notwendige medizinische Untersuchungen schnell und bedarfsgerecht durchgeführt werden können.

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu se


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