Gesundheitswissen aus dem Netz: „Dr. Google“ als Ersatz-Arzt?

07.06.2015 16:30  Von: Martin Meyer

Per Internet und Smartphone gelangt man an jedem Ort und zu jeder Zeit unabhängig und kostenlos an Informationen zu Gesundheitsthemen. Daher ziehen viele Patienten – obwohl sie auf die medizinische Kompetenz ihres Arztes vertrauen – immer häufiger auch das Internet zu Rate. Zu diesem Ergebnis kam die Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM), die jüngst eine repräsentative Umfrage zu dem Thema „Informationsverhalten zu Gesundheitsthemen“ gestartet hatte. Vorteil des Internets ist die Erreichbarkeit rund um die Uhr, doch das Googeln von Symptomen kann auch gefährlich sein. Ärzte sollten sich unbedingt mit diesem geänderten Informationsverhalten ihrer Patienten auseinandersetzen. Um auf Risiken hinzuweisen, aber auch um die Vorteile zu nutzen, die sich aus diesem Informationsverhalten ergeben.


Arzt und Internet gleichauf


Fazit der GIM-Umfrage ist, dass die meisten Menschen in Deutschland ihren Arzt und das Internet gleichermaßen häufig befragen. Die konkreten Zahlen lauten: 68 % der Menschen in Deutschland befragen nach wie vor ihren Arzt, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Aber fast genau so viele, nämlich 69 % (Mehrfachnennungen waren möglich), suchen im Internet nach Informationen. Frauen, so ergab die Umfrage, suchen etwas häufiger als Männer im Internet nach Rat. Auf Arzt und Internet als Informationsquelle folgen dann die Krankenkassen und Apotheker, Freunde und Familienangehörige, Bücher und Zeitschriften sowie als Schlusslicht das Fernsehen.


Welche Themen sind besonders beliebt?


Oft wird im Internet gezielt nach Volkskrankheiten wie Diabetes, Rückenschmerzen oder Bluthochdruck gesucht, aber auch „Frauenthemen“ spielen eine große Rolle. Gerade Schwangere sind offenbar unzufrieden mit der ärztlichen Beratung während der Schwangerschaft, es existieren daher viele professionelle Foren, die sich mit den Themen Gynäkologie und Schwangerschaft befassen. Neben solchen speziellen Themen suchen die Patienten aber auch ganz allgemein nach allen Themen, die die Gesundheit betreffen: Vorsorge-Leistungen, alle möglichen Krankheitsbilder, Medikamente, Ärzte, Kliniken und Apotheken. Dennoch soll die Suche im Internet den Arztbesuch in den meisten Fällen nicht ersetzen, sondern ergänzen, so betonten die Befragten. Die Patienten erhoffen sich im Internet vielmehr genauere Informationen oder stellen Fragen, die sie in der Kürze des Arztgespräches vielleicht vergessen haben.


„Dr. Google“: Chancen, aber auch Risiken


Gerade Informationen aus dem Internet sind häufig fehlerhaft oder zumindest verunsichernd für den Patienten. Wer beispielsweise bei Google ein Symptom wie „stechender Kopfschmerz“ eingibt bekommt eine Vielzahl von möglichen Diagnosen. Von Schlafmangel über Migräne bis zur Hirnblutung ist alles dabei. Zudem bleibt der Nutzer mit seinen Erkenntnissen allein. Daher ist es kaum verwunderlich, dass viele Ärzte der Ansicht sind, „Dr. Google“ verbreite unangebrachte Ängste und schüre Hypochondrie.


Andererseits verhilft das Internet dem Patienten zu mehr Mündigkeit dem Arzt gegenüber, da nun auch der Patient an detaillierte Informationen gelangen kann. Es hat in den letzten Jahren diesbezüglich ein deutlicher Wandel stattgefunden: Der Patient im heutigen digitalen Zeitalter recherchiert gern selbst und möchte mit seinem Arzt auf Augenhöhe diskutieren. Wichtig ist es jedoch, diese Informationen richtig zu filtern. Als Arzt sind Sie daher gefordert mit seriösen und wissenschaftlich belegten Informationen Angst zu nehmen, wo sie nicht angebracht ist.


Das bedeutet konkret: Der behandelnde Arzt sollte die Therapie daher ausführlich mit dem Patienten besprechen, Einwände ernst nehmen und mögliche Missverständnisse aus dem Weg räumen. Eine respektvolle Kommunikation ist hier selbstverständlich, sonst kann der Patient leicht das Vertrauen in seinen Arzt verlieren. Stoßen Sie den Patienten nicht vor den Kopf, indem Sie seine Recherchen leichtfertig abtun oder belächeln. Helfen Sie dem Patienten, die Seriosität bestimmter Informationen aus dem Web besser einschätzen zu lernen. Vielleicht forschen Sie als Arzt auch selbst einmal im Internet und finden heraus, welche Seiten zur vertiefenden Information oder zur Selbsthilfe empfehlenswert sind. Die Patienten werden Ihnen solche Tipps danken.


Was können Sie als Arzt noch tun?


Noch besser, als nur auf Patientenanfragen zu reagieren, ist es, selbst aktiv zu werden und die Neugierde Ihrer Patienten zu nutzen. Durch Informationen auf Ihrer Homepage, in Praxisflyern oder durch das Wartezimmer-TV, können Sie den Patienten seriöse Informationen liefern und sie über Ihr Praxis-Angebot aufklären. Der Großteil der Patienten möchte über neuartige Therapien, Medikamente oder erweiterte Diagnosemethoden informiert werden, auch wenn er diese womöglich selbst bezahlen muss.


Überlassen Sie das Feld der Gesundheitsinformationen nicht kommerziellen Anbietern. Viele Pharmaunternehmen bieten heute interne Tools mit Informationen zu speziellen Krankheitsbildern an. Der Arzt ermöglicht den Patienten in so einem Fall den Zugang zum Portal, ob die Informationen allerdings so neutral sind, wie behauptet wird, das ist zu bezweifeln.


Auch Gesundheitsportale im Internet verfolgen immer einen wirtschaftlichen Erfolg. Sei es durch Werbung oder die redaktionelle Hervorhebung bestimmter Präparate oder Therapien. Viele Pharma-Unternehmen beschäftigen Ghostwriter, die als „Privatperson“ in sozialen Netzwerken bestimmte Produkte loben. Mögliche Folge: Manche Patienten fordern von ihrem Arzt eine Therapie oder ein Medikament, das in ihrem Fall gar nicht empfehlenswert ist.


Fazit: Das Informationsverhalten zu Gesundheitsthemen hat in den letzten Jahren einen starken Wandel erfahren. Die Patienten suchen zielgerichtet nach Informationen im Internet und sind viel besser informiert. Für die meisten Patienten ist aber immer noch der Arzt die aktuellste und unabhängigste Informationsquelle. Als Arzt sollten Sie daher selbst aktiv werden und Ihren Patienten detaillierte Informationen zur Verfügung stellen, sei es über das Internet oder über andere Medien. So sind die Patienten über Ihr Leistungsspektrum aus erster Hand informiert, schenken Ihnen langfristig Vertrauen und werden sich auch bei dem Wunsch nach erweiterten Vorsorgeleistungen oder anderen Zusatzleistungen an Sie wenden.


Ihr Martin Meyer

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu sein


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