Impfmüdigkeit und was Sie als Arzt dagegen tun können?

21.04.2016 10:00  Von: Martin Meyer

Geschichte der künstlichen Immunisierung gegen Krankheiten


Impfungen zählen seit Ihrer systematischen Einführung in die Medizin im 19. Jahrhundert zu den wirkvollsten Prophylaxemöglichkeiten zur Verhinderung von Krankheiten. Schon im Altertum war bekannt, dass das Durchstehen einer bestimmten Krankheit vor einer Neuinfektion schützt. Der englische Arzt Edward Jenner (1749-1823) war der erste, der 1796 bewusst einen Jungen mit der beim Menschen glimpflich verlaufenden Rinderkrankheit Kuhpocken infizierte, wodurch dieser immun gegen die Krankheit wurde. Der Begriff Vaccination für künstliche Immunisierung stammt vom Lateinischen vacca = Kuh. Im 19. Jahrhundert erforschten Mediziner wie Louis Pasteur und Robert Koch die Wirkungsweise von Impfungen, so dass gegen Ende des 19 Jahrhunderts mit der Standardisierung von Impfstoffen im deutschen Kaiserreich die ersten Pflichtimpfungen eingeführt wurden, z. B. gegen Pocken. Im 20. Jahrhundert wurden Impfstoffe gegen zahlreiche Krankheitsüberträger entwickelt, so dass viele dieser Krankheiten stark eingedämmt werden konnten – man denke an den Rückgang von Kinderkrankheiten wie z. B. Masern durch die flächendeckend durchgeführten Impfkampagnen in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.


Gründe für Impfmüdigkeit und -skepsis


Durch den hohen Sicherheitsstandard in unserer Medizin ist in den letzten Jahrzehnten eine bestimmte Impfmüdigkeit aufgetreten, so dass es in Deutschland wieder zu Masernepidemien mit bis zu 3000 infizierten Kindern kommen kann – und dies, obwohl die WHO geplant hatte, diese Kinderkrankheit weltweit bis 2005 auszurotten. Zwar werden Kleinkinder im Alter von ca. 13 Monaten fast durchwegs mit einer ersten Kombi-Impfung (MMR) gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft, die Folgeimpfung wird aber häufig vergessen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher allen nach 1970 Geborenen, ihren Impfstatus überprüfen zu lassen und gegebenenfalls die MMR-Impfung nachzuholen.


Die Skepsis gegen Impfungen beruht häufig auf der Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen. Zwar hat (fast) jedes wirksame Arzneimittel auch Nebenwirkung, die gängigen Impfstoffe sind aber so gut erforscht, dass Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Hautreaktionen meist nur selten und harmlos auftreten und nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Dies gilt besonders für die jährlich neu entwickelte Grippeschutzimpfung, die allen älteren und krankheitsvorbelasteten Patienten dringend zu empfehlen ist, denn in Deutschland sterben jährlich 15.000 – 20.000 Menschen an Grippe – diese Zahl ließe sich durch eine flächendeckende Grippeschutzimpfung drastisch reduzieren.


Ein wichtiger Grund für Impfmüdigkeit ist häufig pure Vergesslichkeit. Wer weiß schon auswendig, wann die letzte Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) war, die alle zehn Jahre erneuert werden sollte? Hier hilft ein Impfpass, der Patienten und Arzt zuverlässig an fällige Impfungen erinnert.


Wie kann man ärztlicherseits gegen die Impfmüdigkeit vorgehen?


Gezielte Informationen sind die beste Möglichkeit, das Gesundheitsbewusstsein des Patienten zu stärken. Als Informationsquelle eignen sich besonders Homepages, Flyer, Plakate und Wartezimmer-TV, so dass der Patient bereits gut vorinformiert in die Sprechstunde kommt. Die Arzt-Patienten-Kommunikation wird dadurch erheblich erleichtert, zudem ist ein aufgeklärter Patient eher bereit, sinnvolle individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) in Anspruch zu nehmen. Bei vielen Impfungen wie z. B. der Grippeschutzimpfung ist die regelmäßige Auffrischung wichtig. Hier hilft es, den Patienten die sinnvolle Nutzung von Vorsorge- und Impfpässen ans Herz zu legen. Dadurch wird sichergestellt, dass der Patient regelmäßig zum Impfen kommt und sich sein Impfstatus immer auf hohem Niveau befindet. Die meisten Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die wichtigsten Impfungen. Weitere sinnvolle Impfungen wie z. B. die HPV-Impfung für über 18jährige Frauen und die Grippeschutzimpfung vor dem 60. Lebensjahr werden von manchen Krankenkassen nicht übernommen.Hier können gezielt eingesetzte Medien wie Flyer, Poster, Homepages und Wartezimmer-TV dazu beitragen, die Impfbereitschaft der Patienten zu erhöhen. Sinnvoll ist eine ärztliche Impf-Information und -Beratung auch bei Patienten, die eine Reise in exotische Länder planen, in denen Krankheiten grassieren, für die wir Mitteleuropäer keine Abwehrkräfte besitzen. Über die oben genannten Informationsquellen können die Patienten dazu angeregt werden, eine reisemedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen, denn viele bei Auslandsreisen von der STIKO empfohlene Impfungen wie gegen Cholera, Hepathitis A und B Typhus werden von den Krankenkassen häufig nicht übernommen.


Fazit


Im Leben gibt es keine letztendliche Sicherheit, jeder sollte daher selbst entscheiden oder sich vom Arzt seines Vertrauens beraten lassen, welche Krankheitsrisiken er vermeiden möchte und welche Impfungen für ihn sinnvoll sind. Dies gilt vor allem für durch Krankheiten vorbelastete Menschen. Damit der Impfstatus immer auf hohem Niveau ist, empfiehlt sich ein regelmäßiger Blick in den Impfpass. Denn viele Krankheiten lassen sich durch regelmäßige Vorsorge vermeiden.

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu sein


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