„Marktwächter Gesundheit“ – neue SPD-Pläne sorgen für Furore innerhalb der Ärzteschaft

05.10.2016 08:45  Von: Martin Meyer

Im Spätsommer 2016 sorgte die Ankündigung der SPD für viel Diskussionsstoff innerhalb der Ärzteschaft, in das Programm für die Bundestagswahl 2017 Maßnahmen zur Reduzierung der von Ärzten angebotenen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) aufzunehmen. Begründung: Mit dem „Marktwächter Gesundheit“ soll „die Flut kostenpflichtiger, medizinisch aber oft überflüssiger IGeL-Leistungen … eingedämmt werden“. Umgesetzt werden soll dies durch ein Gremium, wie es aus z. B. dem Verbraucherschutz im Finanzwesen („Marktwächter Finanzen“) und im digitalen Bereich (Digitale Welt) bekannt ist. Mit dem Marktwächter Gesundheit sollen nach SPD-Vorstellungen im IGeL-Bereich Wettbewerbsverstöße und Benachteiligungen von Patienten vermieden werden. Arztpraxen sollen z. B. verpflichtet werden, Informationen auszuhängen über die Gründe, warum bestimmte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden von den Krankenkassen nicht bezahlt werden. Detaillierte Pläne für den „Marktwächter Gesundheit“ sind z. Zt. (Oktober 2016) noch nicht bekannt.


Kritik an den Plänen für einen „Marktwächter Gesundheit“


Nicht nur von anderen Parteien, auch seitens der Ärzteschaft gab es bisher heftige Kritik an den SPD-Vorschlägen. Diese würden noch mehr Verwaltungsaufgaben für die Arztpraxen sorgen und zudem für Unsicherheit im Arzt-Patienten-Verhältnis sorgen, was nicht unbedingt förderlich für einen angestrebten Heilungsprozess ist. Bereits jetzt gibt es einen von der KV und der Bundesärztekammer herausgegeben IGeL-Ratgeber für Ärzte und Patienten, der für Transparenz im Arzt-Patienten-Verhältnis beim Anbieten von individuellen Gesundheitsleistungen sorgt. Die Einschränkung beim Angebot an Selbstzahlerleistungen würde  die Handlungsfreiheit der Patienten stark einschränken und sich negativ auf das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung auswirken, da die Auswahl der ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten erheblich reduziert würde. Zudem haben viele von den Kassen nicht bezahlte Vorsorgeuntersuchungen und Heilungsmethoden eine klinisch nachgewiesene positive Wirkung auf die Gesundheit. Die meisten Ärzte gehen bereits jetzt sehr sorgfältig und einfühlsam bei der Vermittlung von IGeL vor. Ein „Marktwächter Gesundheit“ würde den eh schon enormen bürokratischen Aufwand der Arztpraxen unnötigerweise erhöhen und das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten stark einschränken. Arzt und Patient sollten immer gemeinsam entscheiden, welche medizinischen Maßnahmen am besten für die Gesundheit des Patienten sind.


Geeignete Maßnahmen zur Vermittlung von individuellen Gesundheitsleistungen


Der Ärzteschaft stehen verschiedene effektive Mittel zur Verfügung, um dem in der Presse und in der Politik häufig negativ vermitteltem Ansehen der IGeL entgegenzuwirken. Das A und O bei der Vermittlung von Selbstzahlerleistungen ist die Kommunikation zwischen Arztpraxis und Patienten, um den gesundheitlichen Wert dieser Behandlungs- und Vorsorgemaßnahmen transparent und objektiv zu vermitteln. Als Medien eignen sich speziell auf die Bedürfnisse von Praxis und Patientenstamm angepasste Flyer, Praxishomepages, Wartezimmer-TVs und – die technisch neueste Entwicklung auf diesem Gebiet – Praxis-Tablets. Wichtig für die Patientenansprache ist auch ein gut geschultes Praxispersonal. Da während des Praxisbetriebs hierfür häufig keine Zeit und Gelegenheit besteht, lohnt es sich, Hilfe von außen anzunehmen in Form von Praxis-Trainings.


Fazit


Angesichts der politisch angedachten Veränderungen bleibt für die medizinische Versorgung in Deutschland zu hoffen, dass auch in Zukunft nicht übertriebene Bürokratie und engstirnige Denkmuster die ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten zum Nachteil von Ärzten und Patienten einschränken. Vielleicht sollte man auf die allgemein bekannte Tatsache vertrauen: Wahlversprechen werden in der Regel selten nach der Wahl eingehalten.


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