Reform der Gebührenordnung für Ärzte gescheitert – Folgen und Konsequenzen für niedergelassene Ärzte

25.08.2016 08:00  Von: Martin Meyer


Wie auch in der Öffentlichkeit allgemein bekannt ist, regelt die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) zwischen Arzt und Patient die Abrechnung ärztlicher Leistungen, die nicht im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung zwischen gesetzlichen Krankenkassen und der Ärzteschaft festgelegt sind. Diese Gebührenordnung bestimmt somit zwischen Arzt und Patienten die Gebühr für medizinisch notwendige Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gedeckt werden (Privatliquidation). Je nach Schwierigkeit und Zeitaufwand der Behandlung kann der festgelegte Gebührensatz mit einem bis zu dreieinhalbfachen Faktor multipliziert werden, der Durchschnitt liegt bei 2,3. Die GOÄ entstand 1965 als Nachfolge der 1896 ins Leben gerufenen Preußischen Gebührenordnung für approbierte Ärzte (Preugo). Die aktuelle GOÄ stammt von 1982, die letzte Änderung erfolgte 2001 mit der Umrechnung von Pfennigen in Cent (sic!). Seit 2015 verhandelt die Bundesärztekammer mit dem Verband der privaten Krankenversicherungen über eine Neuordnung der GOÄ, die im Spätsommer 2016 von Bundestag und Bundesrat ratifiziert werden sollte. Im März 2016 sind die Verhandlung jedoch vorerst gescheitert, da die Ärzteschaft mit den getroffenen Übereinkünften sehr unzufrieden war; wegen des allmählich beginnenden Wahlkampfes für die Bundestagswahl 2017 ist (Stand September 2016) vorerst keine Lösung in Sicht.


Was sollte eine Novellierung der GOÄ unbedingt beinhalten?


Die Ärzteschaft und die sie vertretenden Berufsverbände sollten bei der Neufassung der GOÄ, die in der jetzigen Fassung aufgrund der oben geschilderten Entwicklung völlig veraltet und in keinster Weise mehr zeitgemäß ist, darauf drängen, die privaten Abrechnungsregeln zwischen Patient und Arzt an die aktuellen medizinischen und gesundheitspolitischen Gegebenheiten anzupassen und auch Spielräume für die zukünftige Entwicklung einbeziehen. In erster Linie sollte die Neuordnung an die aktuellen Praxisabläufe angepasst werden. Dies beinhaltet auch, dass die steigende Anzahl an individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) berücksichtigt werden muss, deren Abrechnung sowohl für den Patienten wie für den Arzt transparenter gestaltet werden muss. Die Bewertungsmaßstäbe für IGeL sollten einerseits an die aktuellen Lohnentwicklungen angeglichen werden (z. B. durch Erhöhung und Anpassung des Punktwertes), außerdem sollte durch spezifizierte und flexible Steigerungssätze Spielraum geschaffen werden für an die jeweilige Situation angepasste Abrechnungen. In der Neufassung der GOÄ muss das gesamte  ärztliche Leistungsspektrum der modernen Medizin widergespiegelt werden und zudem Spielraum für zukünftige Entwicklungen offengehalten werden. Das Angebot an IGeL sollte durch die Neuordnung der GOÄ vereinfacht und nicht wie bisher bei der alten GOÄ behindert werden. Denn individuelle Gesundheitsleistungen spiegeln das gestiegene Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung wider und vermitteln den Patienten mehr Sicherheit in  gesundheitlichen Angelegenheiten. Zudem sind die niedergelassenen Ärzte aufgrund der stagnierenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen immer mehr auf alternative Einnahmen jenseits der kassenärztlichen Abrechnung angewiesen, um einen wirtschaftlichen Betrieb ihrer Arztpraxen zu gewährleisten.


Anpassung der Arztpraxis auf die unsichere Situation


Da bei der derzeitigen Situation angesichts der immer näher rückenden Wahlen niemand genau vorhersagen kann, wie die gesundheitspolitische Entwicklung in naher Zukunft vor allem auch hinsichtlich der Neuordnung der Gebührenordnung für Ärzte vorangehen wird, muss jedem niedergelassenen Arzt dringend angeraten werden, nicht blindlings auf eine positive Entwicklung zu vertrauen, sondern sich durch eine Optimierung der Praxisangebote und der Praxisabläufe ein sicheres „IGeL- Standbein“ zu schaffen, damit der Praxisbetrieb für alle Beteiligten (Ärzte, MFAs und Patienten) zur vollen Zufriedenheit auf allen Ebenen abläuft. Jeder Praxisinhaber sollte sich folgende Fragen stellen, bevor er die Praxisabläufe optimiert und anpasst:



  1. Welche Selbstzahlerleistungen will ich in meiner Praxis anbieten? Will ich mein Praxisangebot auf Vorsorge, alternative Heilmethoden oder Ästhetik ausrichten?

  2. Stehen ich und mein Team hinter den angebotenen Leistungen? Denn nichts schadet mehr, als wenn ein Arzt oder sein Team innerlich die Selbstzahlerleistungen ablehnen.

  3. Wie mache ich meine Patienten auf mein Leistungsspektrum aufmerksam? Will ich jeden einzeln und persönlich aufklären? Nutze ich spezielle IGeL-Flyer und das Wartezimmer-TV als Informationsquelle für meine Patienten? Oder will ich die Patienten bereits zu Hause mit Hilfe einer Praxishomepage aufklären?


Wenn diese 3 Fragen geklärt sind, dann kann jede Praxis entspannt auf die neue GOÄ warten, denn auch mit der alten GOÄ lassen sich gute Einnahmen generieren, die das Überleben der Praxis auch in den nächsten Jahren sichern.


Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass die Neuordnung der GOÄ doch noch in naher Zukunft im Interesse und zum Wohle aller Beteiligten situationsgerecht umgesetzt wird.


Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu sein


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