Self-Tracking – Wearables als Chance für das Gesundheitsystem?

17.08.2015 08:00  Von: Martin Meyer

Der Markt für Selbstvermessungs-Apps und -Geräte wächst ständig. Ob Schritte zählen, Kalorien berechnen oder Puls messen, die Geräte und Apps leisten immer mehr und nicht nur Leistungssportler finden Gefallen daran, sich selbst zu überwachen. Knapp neun Millionen Deutsche nutzten Fitness-Tracker, verkündete der deutsche IT-Branchenverband Bitkom im Dezember 2013. Da überrascht es nicht, dass nun auch Krankenkassen auf diesen Zug aufspringen. Die AOK Nordost übernimmt dabei eine Vorreiterrolle und gewährt ihren Versicherten neuerdings jedes zweite Kalenderjahr einen Zuschuss von bis zu 50 Euro, wenn sie sich ein Gerät zulegen, welches das sogenannte Self-Tracking - also eigenständiges Messen - von Gesundheitsdaten ermöglicht. Doch sind die Geräte und Apps mehr als eine Spielerei? Können sie tatsächlich aussagekräftige Gesundheitsdaten liefern, die Ärzten womöglich die Patientenbetreuung erleichtert?


Self-Tracking boomt


Fakt ist: Fitnessarmbänder und Smartwatches (sogenannte Wearables) boomen, doch um einen wirklichen gesundheitlichen Nutzen daraus zu ziehen, sind sie oft noch nicht geeignet. Das größte Problem des Self-Trackings ist wohl, dass die Produkte nur sehr oberflächliche Parameter messen, wie z.B. die Pulsfrequenz oder die Schritte. Nach anfänglichem Interesse an den Daten sinkt dann das Interesse der Nutzer, weil sie keinen wirklichen Erkenntnisgewinn aus den erhobenen Parametern ziehen können. Denn Tipps und Hinweise, z. B. für ein besseres Training oder eine gesündere Ernährung, können die Produkte noch nicht liefern. Dies bleibt nach wie vor Experten aus Fleisch und Blut überlassen.


Wünschenswert und sinnvoll wäre es daher, dass Ärzte und Gesundheitsspezialisten sowie Ernährungsberater sich mit den Nutzern zusammen die Daten ansehen, auswerten und dann Tipps geben, wie mit den neu gewonnenen Erkenntnissen umzugehen ist. So ein Vorgehen ist jedoch Zukunftsmusik, denn obwohl die Sensoren immer besser werden, würde (noch) kein Arzt oder eine Klinik Messdaten ernsthaft nutzen, die ein Smartphone erhoben hat.


Doch die Entwicklung steht nicht still. Immer häufiger setzen sich Entwickler und Ärzte an einen Tisch und entwerfen Zusatzgeräte, die durch spezielle Biosensoren auch komplexere Gesundheitsdaten, wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz oder Blutzucker erfassen können und diese Gesundheitsdaten dann an das Smartphone weiterleiten.


Privates Gesundheitsmonitoring: In Zukunft von Vorteil


Von diesen Möglichkeiten können Ärzte und Patienten in Zukunft sicherlich profitieren, denn die gesundheitliche Versorgung wird schon in rund zehn Jahren – so vermuten Experten – wesentlich digitaler vonstatten gehen (müssen). Gerade in ländlichen Regionen sind sonst vor allem chronisch erkrankte Patienten, die eine regelmäßige Überwachung benötigen, von einer Unterversorgung gefährdet. Eine Digitalisierung des Gesundheitssystems – Stichwort E-Health – wird in Zukunft wohl unvermeidlich sein. Das Monitoring der Gesundheitsdaten im privaten Gebrauch ist da erst der Anfang.


Vor allem Diabetiker, Asthmatiker, MS-Patienten oder auch Depressive hätten durch die Apps und Messgeräte eine gute Chance, den Verlauf ihrer Erkrankung selbst zu beobachten. Bei einer Verschlechterung ihres Zustandes würde der Arzt umgehend benachrichtigt und könnte über ein schnelles und digital gestütztes Arzt-Patienten-Gespräch schnell reagieren. Erste Lösungen für Erkrankte existieren bereits, sind aber in der Regelversorgung in Deutschland noch nicht angekommen. Doch auch wenn diese Möglichkeiten sich noch in der Entwicklung befinden, wäre es fahrlässig, diesen Trend als unsinnig abzutun, denn dadurch würde eine Vielzahl von Patienten ihrer Möglichkeiten beraubt.


E-Health: Deutschland hinkt hinterher


Dennoch hinkt Deutschland in Sachen E-Health im internationalen Vergleich (z. B. China und USA) derzeit gewaltig hinterher. Dies liegt vor allem in den strengeren Datenschutzrichtlinien Deutschlands begründet. Hinzu kommt, dass noch kein einheitliches Vernetzungssystem existiert, das es erlaubt, Daten sicher von A nach B zu transportieren. Ebenso unausgereift ist die gerätetechnische Ausstattung in den Praxen und Kliniken. Hier ist noch viel zu investieren, ehe die Übertragungswege als zuverlässig und sicher gelten können.


Der private Gebrauch von digitalen „Gesundheitsmessern am Armgelenk“ wird sich nach Ansicht von IT-Experten dennoch als zukunftsfähiger Trend erweisen, das ergab auch eine aktuelle Umfrage auf der CeBit 2015. Vor allem die junge Generation hat offenbar kein Problem damit, ihre Fitness-Daten an spezielle Anbieter preiszugeben. Mit steigender Leistungsfähigkeit der Wearables werden vermutlich immer mehr Freizeitsportler und Gesundheitsbewusste die Vorteile nutzen wollen. Bis die Digitalisierung allerdings im Praxis- und Klinikalltag angekommen ist, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen.


Mit einer eigenen Praxishomepage können Sie allerdings schon jetzt die Digitalisierung in Ihrer Praxis vorantreiben. Viele junge Patienten interessieren sich nicht nur für das Self-Tracking, sondern suchen gezielt im Netz nach Ärzten und deren Leistungsspektrum. Starten Sie jetzt mit Ihrer eigenen Praxishomepage und gewinnen Sie eine neue Zielgruppe für sich.

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu sein


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