Studie bestätigt: Zusatzleistungen kommen bei Patienten gut an

02.03.2015 08:00  Von: Martin Meyer

In den Medien werden Zusatzleistungen oft negativ dargestellt. Vor allem das Internet-Portal „IGel-Monitor“, das vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. finanziert wird, bewertet von 37 gelisteten „IGel-Leistungen“ nur vier als „tendenziell positiv“, alle anderen Leistungen werden als „unklar“ oder sogar „negativ“ bezeichnet. Die Patienten lassen sich davon offenbar nicht beeinflussen und nehmen Zusatzleistungen gerne an, das bestätigt eine aktuelle Umfrage der Techniker Krankenkasse.


Patienten wünschen eine optimale Versorgung


Bemerkenswert ist: Drei von vier Patienten, denen Zusatzleistungen angeboten wurden, nehmen diese gerne in Anspruch. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Folgt man der Ansicht der Krankenkassen, so sollten nur "ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche“ Leistungen erstattet werden. Dies reicht vielen Patienten aber schon lange nicht mehr aus, denn heutzutage bedeutet Gesundheit mehr als das Fernbleiben von Krankheiten. Die Menschen möchten vielmehr ihr Wohlbefinden verbessern und mithilfe von Vorsorgeleistungen ihre Gesundheit erhalten.


Dass die Zusatzleistungen gut ankommen, beweisen auch die Umsatzzahlen: Mit Zusatzleistungen, für die gesetzlich Versicherte selbst aufkommen, nehmen die Ärzte jährlich insgesamt etwa 1,3 Milliarden Euro ein. Die Umfrage der Techniker Krankenkasse belegt zudem, dass etwa jeder zweite gesetzlich Versicherte schon IGeL-Angebote von einer Arztpraxis erhalten hat, Frauen dabei offenbar etwas häufiger als Männer.


Faire Angebote für alle Patienten


Auffällig ist auch, dass laut Studie sehr viel häufiger Patienten mit höherem Einkommen (oberhalb von 4000 €) Zusatzleistungen angeboten bekommen. Dies festigt leider die herrschende Meinung, dass der Zugang zu diesen Leistungen nicht allen Schichten der Bevölkerung gleichermaßen gewährleistet ist. Hier sollten Ärzte gegensteuern. Ein faires IGel-Angebot, beispielsweise für eine erweiterte Krebsvorsorge oder ein Glaukom-Screening, muss nicht teuer sein und sollte allen Patienten einer Praxis angeboten werden, nicht selektiv einer bestimmten Einkommensgruppe. Sie werden feststellen, dass gute Angebote von Patienten unterschiedlichster Einkommensgruppen genutzt werden. Denn für die Gesundheit ist heute fast jeder bereit, auch privat einen kleinen Beitrag zu leisten.


Patienten vertrauen auf das Urteil des Arztes


Die Studie der Techniker Krankenkasse befasst sich darüber hinaus mit der Frage, welche Informationsquellen Patienten nutzen, wenn sie eine Zusatzleistung angeboten kommen. Deutlich über die Hälfte aller Patienten (61 %), so geht aus der Studie hervor, vertraut im Hinblick auf Zusatzleistungen auf den ärztlichen Rat. Die Patienten sind also überzeugt, dass ihr Arzt über das Wissen und die Informationen verfügt, um zu entscheiden, was gut für sie ist. Diesen Vertrauensvorschuss sollten Ärzte nutzen und auf gar keinen Fall enttäuschen. Der Arzt sollte daher den Patienten immer gründlich über die gewünschte Leistung informieren. Welchen Nutzen hat die Leistung? Gibt es Alternativen oder Risiken? Patienten sind viel häufiger bereit, eine Leistung in Anspruch zu nehmen, wenn sie vorher eine umfassende Aufklärung über das Angebot erfahren haben. Ausschlaggebend sind dabei auch sachliche und unabhängige Informationen (keine Pharma-Informationen) sowie genügend Bedenkzeit.


Welche Zusatzleistungen sind am beliebtesten?


Laut Umfrage sind es die Gynäkologen, die am häufigsten Zusatzleistungen verkaufen. Hauptsächlich sind dies Wunschleistungen während der Schwangerschaft (zusätzlicher Ultraschall, spezielle Laborwerte) oder Leistungen zur erweiterten Krebsvorsorge. Dicht gefolgt von den Zahnärzten, deren häufigste Zusatzleistung die professionelle Zahnreinigung ist, und den Augenärzten mit dem Glaukom-Screening. Auf den weiteren Plätzen finden sich Urologen, Allgemeinmediziner und Dermatologen. Die meistverkauften Leistungen sind hier die Krebsvorsorge, spezielle Check-ups oder reisemedizinische Angebote.


Anhand dieser Daten wird deutlich, dass ein Großteil der Zusatzleistungen keinesfalls Wellness-Angebote sind, sondern Leistungen, die von Fachärzten ausdrücklich empfohlen werden. Trotzdem wird in den Medien beständig versucht, Zusatzleistungen schlecht zu reden und als überflüssige Leistungen abzustempeln.


Gesundheitsbewussten Menschen, die solche Angebote zum Wohle ihrer Gesundheit in Anspruch nehmen möchten, sollten jedoch meiner Ansicht nach keine Steine in den Weg gelegt werden. Einem mündigen Patienten sollte vielmehr zugestanden werden, dass er selbst darüber entscheidet, welche Leistung er für wichtig genug hält, um sie aus eigener Tasche zu bezahlen.


Fakt ist: Zusatzleistungen sind schon längst im modernen Praxisbetrieb angekommen und werden vermehrt nachgefragt. Vielleicht sind Zusatzleistungen nicht in jedem Fall dringend notwendig, doch wer bereit ist, die Kosten für eine gewünschte Leistung selbst zu übernehmen, der sollte dies auch unbehelligt tun dürfen.


Ihr Martin Meyer

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß mittendrin zu sein.


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