Terminservicestellen für Facharzttermine – Pro und Contra

18.02.2016 14:30  Von: Martin Meyer

Seit dem 23. Januar 2016 wurden bundesweit von den kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Terminservicestellen eingeführt, um die häufig langen Wartezeiten von Kassenpatienten auf Facharzttermine zu verkürzen. Ziel der Gesetzesvorlage ist, dass alle Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen bei einer Überweisung vom Hausarzt einen Facharzttermin erhalten.  


Akzeptanz der Terminservicestellen unter den Patienten


Über die Notwendigkeit dieser Regelung ist in der Öffentlichkeit seitdem viel diskutiert worden. Denn
in der BRD sind aufgrund der unterschiedlichen Facharztdichte die Wartezeiten keineswegs homogen. Laut einer Forsa-Umfrage klagen z. B. in Ostdeutschland weitaus weniger Menschen über lange Wartezeiten, während andererseits Frauen (39 %) wesentlich länger auf einen Termin warten müssen als Männer (19 %) (Quelle: http://www.dak.de). Auch haben ältere Menschen eher den
Wunsch auf einen zeitnahen Arzttermin als jüngere, was mit der zunehmenden Anfälligkeit für Erkrankungen im Alter zu erklären ist. Nur knapp die Hälfte der Befragten (47 %) würde das Angebot der Terminservicestellen in Anspruch nehmen, während ähnlich viele (45 %) eine längere Wartezeit
in Kauf nehmen würden.


Vor- und Nachteile für Patienten


Bekannt ist, dass in vielen Gegenden Deutschlands ein Facharztmangel herrscht, so dass es zu sehr langen Wartezeiten für die Patienten kommen kann. Die Servicestellen sollen nach einer Überweisung des Hausarztes (bei Augenärzten und Gynäkologen auch ohne Überweisung) innerhalb von 4 Wochen einen Behandlungstermin bei einem Facharzt vermitteln. Dafür muss der Patient eine „zumutbare“ Anfahrt zwischen 30 und 60 Minuten in Kauf nehmen, die freie Arztwahl entfällt. Zudem muss der Patient den vorgeschlagenen Termin annehmen, auch wenn er nicht in seinen Zeitplan passt. Da die Servicestelle nicht jeden Befund oder jede Diagnose genau studieren kann, kommt  es höchst wahrscheinlich häufig zu fehlerhaften Terminvergaben, wenn z. B. der ausgewählte Facharzt die erforderliche Untersuchung nicht durchführt oder durchführen kann.


Vor- und Nachteile für Kassenärzte


Niedergelassene Fachärzte können freie Termine an die Servicestellen melden. So können freie Termine an die Servicestellen gemeldet werden, z. B. zu Zeiten, in denen in die Praxis normalerweise wenig frequentiert ist.


Wenn die Terminservicestelle keinen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen vermitteln kann, muss sie einen Termin zur ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus vermitteln. Die Behandlungskosten gehen dann zu Lasten der KV und belasten somit das Honorar der Vertragsärzte. Das bedeutet eine weitere Verschlechterung der Einnahmen aus dem KV-Topf. Wir empfehlen allen unseren Kunden Ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und mit Hilfe von optimierter Praxisorganisation und Praxismarketing mehr Einnahmen aus den IGeL Leistungen zu generieren. Mit diesen Einnahmen verringert jede Praxis die zurzeit sehr starke Abhängigkeit von den KV-Einnahmen.


Fazit


Die Effizienz der Servicestellen muss sich in der Praxis erst noch herausstellen. Die Akzeptanz des neuen Verteilersystems von Facharztterminen durch die Patienten wird sich erst noch herausstellen, denn viele Patienten werden die Nachteile wie Verlust der freien Arztwahl, die Anonymität der Servicestellen und die willkürliche Terminvergabe wahrscheinlich nicht in Kauf nehmen und den herkömmlichen Weg der Facharztterminsuche gehen. Zudem weiß der behandelnde Hausarzt häufig am besten Bescheid, welcher Facharzt am geeignetsten ist für die Diagnose und Behandlung seiner Patienten.

Martin Meyer

Geschäftsführer von Meyer-Wagenfeld

Seit über 10 Jahren leite ich als Unternehmer der dritten Generation Meyer-Wagenfeld. Meine Mission war es, den Wandel von einer Formulardruckerei zu einem modernen Dienstleister für Praxismarketing zu schaffen. Und jetzt macht es Spaß, mittendrin zu sein


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